Positionspapier "Naturbeziehung"
(Autorin: Dipl. Bio. Sybille Kalas)
1. Präambel
Wir verstehen den Menschen als Teil der Natur, der mit der ihn umgebenden Mitwelt
in Beziehung tritt. Diese Beziehung ist genau wie soziale Beziehungen emotional.
Beziehungen zum Natür-lichen Lebensraum ermöglichen dessen Nutzung als Biotop und
Psychotop (Brämer).
Zugänge zu Naturräumen können von verschiedenen Ausgangspunkten aus gefunden
werden (Neugierde, Sport....)
2. Forderung
• Wir halten es für wichtig, Menschen Zugänge zu ihren Natür-lichen Lebensräumen zu öffnen.
• Wir wollen Menschen Gelegenheit geben, ihre Haltung gegenüber diesen Räumen als Konsequenz ihrer Erfahrungen und ihres individuellen Erlebens zu beurteilen und für ihre eigene Lebenswirklichkeit zu bewerten.
• Wir halten es für wichtig, Menschen „den Boden unter den Füßen“ fühlen zu lassen. Sie sollen ein realistisches Bild der Mitwelt und damit unserer Lebensgrundlagen (unserer eigenen Ökologie) entwerfen und in der Folge ökologisch verantwortungsvoll handeln.
• Wir stehen zu einer nachhaltigen Nutzung des Lebensraumes auf verschiedenen Ebenen(Nutzungsvielfalt)
3. Folgerung
Dem entsprechend nehmen wir bezüglich der Jugend- und Erwachsenenbildung folgende Haltung ein:
• Wir wollen diese Zugänge zu Natür-lichen Lebensräumen so öffnen, dass unsere TeilnehmerInnen sie von ihrem gegenwärtigen persönlichen Standpunkt aus auch nützen können.
• Wir wollen Gelegenheiten anbieten, bei denen Menschen sich in ihren angestammten „Menschen-Biotopen“ zu Hause und zugehörig fühlen können
• Wir wollen aber auch Gelegenheiten anbieten, bei denen Menschen Ausgesetztheit und Abhängigkeit vom Lebensraum spüren.
• Wir machen vielfältige Angebote und hüten uns vor „Zwangsbeglückung“.
• Unsere Angebote müssen Platz für persönliches Engagement und Gestaltungsmöglichkeiten durch die TeilnehmerInnen lassen.
• Wir sind keine AnimateurInnen.
Im Sinne der Nutzungsvielfalt können diese Zugänge zu Natür-lichen Lebensräumen sein:
• Ganz allgemeine Neugierde und Bereitschaft, sich auf etwas Neues ein zu lassen
• Interesse am Lebensraum und seinen Bewohnern (Ökologie, Biologie, Geologie....)
• Interesse an der regionalen Kultur
• Sportliches Interesse ( verschiedene Natursportarten im Sommer und im Winter)
• Wandern: Gehen als die dem Menschen entsprechende Fortbewegungsweise.
• Kreatives Gestalten (Landart....)
• Das Leben sozialer Beziehungen in einem neuen Umfeld (Freizeitaktivitäten)
• Abenteuer...
Diese Zugangs-Vielfalt orientiert sich an der Nutzungsvielfalt im Sinne der Nachhaltigleit.
4. Konsequenzen
Unsere Arbeitsschwerpunkte liegen in unserem „angestammten“ Arbeitsgebiet der (alpinen) Natur- und Kulturräume. Daneben sollen aber die (urbanen) Räume, die dem Lebensalltag vieler Menschen entsprechen, nicht ausgeschlossen werden.
Menschen, die mit Kindern und Jugendlichen im (Schul?) Alltag und im Freizeitbereich arbeiten und/oder (Erwachsenen-) Gruppen in Naturräume begleiten (also wir selbst und die von uns ausgebildeten und begleiteten Menschen), sollen Kompetenzen auf den oben angeführten Gebieten erwerben oder vertiefen.
• Sie sollen Erfahrungen machen, die ihr eigenes Bild von „Natur“ und ihre „Naturbeziehung“ vertiefen und bereichern. (etwa eigene „Tankstellen“ finden und „Rastplätze für die Seele“ nützen...)
• Sie sollen Angebote der unterschiedlichen Lebensräume und „besonderen Plätze“ (...wo die wilden KerlInnen wohnen....) erkennen und sich und anderen zugänglich machen.
• Sie sollen einen respektvollen, eigenverantwortlichen Umgang mit den Ressourcen der Lebensräume entwickeln. (Nachhaltigkeit, Naturschutz – Natur-Nutz – „was verbietet sich von selbst?“...)
• Die „Nutzungs-Motivation“ soll so vielfältig wie möglich sein. (Erholung, Erlebnis, Sport, Bewegung, Erforschen, Beobachten, Kennenlernen, Beziehung zu Tieren, Kreatives, „Nutzungs-Kultur“ (etwa essbare Pflanzen, Lager und Kochstellen, Orientierung, Wetter...)
• Sie sollen Verantwortung übernehmen wollen für die Art und Weise, in der Natur- und Kulturräume von der Gesellschaft ge- bzw. be-nützt werden.
Ein kritischer Denkprozess über die eigene Nutzungs-Motivation soll angeregt werden (Welche Motive führen mich in die Natur? Was will ich vermitteln / weitergeben? Wie „kommuniziere“ ich mit „Natur“?, Wie entsteht Kontakt?) Wie kann ein selbstverständlicher Zu-Gang und Um-Gang mit Natür-lichen Lebens-Räumen hergestellt werden? Ein Nachdenkprozess soll darüber entstehen, wie sich das Bewusstsein des/der Einzelnen und der Gesellschaft in Hinblick auf Natur-Nutzung und Nachhaltigkeit entwickeln könnte.
Hinweis: Zum Thema ist ein 3D special Naturbeziehung erschienen
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