Positionspapier "Lehren lernen"
Lehren lernen – moderne Didaktik – konstruktives Lernen (Autorin: Mag. Beate Einetter)
1. Präambel
Lernen ist eine besondere Disposition des Menschen, die ihn in die Lage versetzt, auf die Anforderungen der Umwelt sinngemäße Einstellungen zu finden. Lernen ist ein Anpassungsprozess, der es dem einzelnen erlauben soll, möglichst gut zu leben.
In den letzten 100 Jahren der Menschheitsgeschichte hat es in der Entwicklung von Technik, Kommunikation und Globalisierung einen echten Quantensprung gegeben. In keiner Zeit vorher haben sich Neuentwicklungen so schnell eingestellt wie heute, sodass immer wieder Anpassungsprozesse von den Menschen dieser Zeit gefordert sind. Die Aussage: „Man lernt nie aus!“ ist richtiger denn je. Ein Mensch, der sich nicht den Gebrauch eines Computers oder der Kommunikation per e-mail aneignet, findet sich am Rande unserer „Informationsgesellschaft“ wieder.
Werfen wir einen Blick auf die Bildungslandschaft! In den letzten 10 Jahren ist diese explosionsartig gewachsen. Sie spiegelt die Bedürfnisse der Menschen nach Aus- und Weiterbildung wieder, sowie die Erfordernisse unserer Gesellschaft. Schlagwörter wie "lernende Organisation" haben in der Arbeitswelt Einzug gefunden...
Begriffsklärung:
Lernen im weiteren Sinne ist Wahrnehmen, subjektives Einordnen und Bereithalten von Erfahrungen, von Wissens- und Erlebnisinhalten und führt in der Konsequenz daraus zur Anpassung von Verhalten.
Für die folgende Positionsklärung engen wir diesen weiten Lernbegriff ein auf organisierte "Lehr- und Lernsettings" mit deklarierten Rollen für Lehrende und Lernende - Lehrgänge, Seminare, Praktika. In diesem engeren Sinn wird Lernen als Korrelat zu Lehren gefasst, die Übernahme von dargebotenem Wissen, das Hineinwachsen in den objektiven Geist der Kultur, als Einprägen, also auch als Gedächtnisleistung.
2. Forderung
Was bedeutet das für uns als Jugend- und Erwachsenenbildungsanbieter?
Wir wollen den Menschen als lernendes Wesen auf seinem Weg der Anpassung an neue Anforderungen begleiten. Dazu gehen wir mit Methodenvielfalt, Lernklimagestaltung und partizipativer Grundhaltung auf die Bedürfnisse unserer SeminarteilnehmerInnen ein.
Erforderlich sind u.a.:
• Gruppendynamische Kenntnisse; gestaltpädagogisches Verständnis: Es kommt darauf an, den einzelnen Menschen im sozialen Gefüge wahrzunehmen und auf ihn und das soziale Gefüge einzugehen.
• Methoden Knowhow: Je mehr unterschiedliche Methoden ich zur Auswahl habe, desto stimmiger kann ich auf die Situation reagieren und das Lernklima positiv gestalten. Sie sollten innovativ – konstruktiv – kreativ – partizipativ und human sein.
• Im Prinzip der Partizipation sollten die Ressourcen aller Anwesenden Einfluss auf den Lernprozess bekommen.
• Fehlerlernen, als eine weitere Art des Lernens neben Vorbildlernen, Übungslernen, Lernen durch Einsicht und Signallernen, soll unterstützt werden.
3. Folgerung (Welche Haltung nehmen wir daher ein?)
• Lehren ist Beziehung zwischen Lehrenden und Lernenden und Inhalt.
• Im Beachten des Lernklimas schaue ich über die zu vermittelnden Inhalte hinaus, und sehe den einzelnen Menschen im sozialen Gefüge.
• Der Partizipation soll Raum gegeben werden. Sie drückt sich im wertschätzenden Umgang mit den Teilnehmenden aus. Ihre Beiträge werden moderiert und in den Lernkontext aufgenommen.
• Meine eigene Einstellung – Selbstreflexion: Gebe ich mein Wissen gerne an andere weiter? Diskutiere ich gerne? Bin ich offen für den jeweiligen Lernprozess für „Logos“?
4. Konsequenzen (Welche Inhalte vermitteln wir wem, warum, mit welchem Ziel?
Was ist uns dabei besonders wichtig?)
• Das Lernklima, der Raum, in dem Lernen gefördert wird, ist zu gestalten. Ich kann durch das Schmücken des Raumes, durch Präsentationstechniken erreichen. Achte ich auf die Beziehungsebene zwischen den Teilnehmenden und mir und den Teilnehmenden untereinander, dann gestalte ich den inneren „Lernraum“. Beides sollte zusammenspielen.
• Die Inhalte müssen für die Zielgruppe fassbar sein. Das heißt zielgruppenangepasste Inhalte als auch entsprechende Aufbereitung der Lehrmaterialien.
• Lernbehelfe, wie Skripten, Handouts oder begleitende Unterrichtsmaterialien sollen ansprechend und übersichtlich gestaltet sein.
• Inhalte sollten für die Teilnehmenden erlebbar und in ihre Berufsfelder umsetzbar sein.
• Das Prinzip von Partizipation fordert eine Entwicklung der Inhalte während der Unterrichtseinheiten. Das bedeutet für die Lehrenden, dass sie für den Lerndialog offen sind und dabei die Ressourcen aller Anwesenden miteinbeziehen. Der Lehrende befindet sich oft in der Rolle des Begleitens und Moderierens. Der rote Faden sollte dabei nicht aus den Augen verloren werden.
• Qualität vor Quantität – Die behaltenen Inhalte sind wichtiger als die vergessenen Inhalte. Das kann nur ganzheitlich geschehen.
Die Lehrenden müssen also über eine entsprechende Methodenvielfalt verfügen und sich auch für innovative Methoden interessieren.
• Für uns beginnt der Lernprozess beim Erleben und Erfahren und mündet durch Reflexion und Wissensergänzung in Erkenntnissen.
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