Standortbestimmung und Leitbildentwicklung
Die Alpenvereinsjugend ist mit dem Programm der SPOT Seminare einer der wichtigsten Bildungsanbieter im Bereich handlungsorientierter Pädagogik geworden. Soziales und ökologisches Lernen in Naturlandschaften bildet den primären Rahmen für die Handlungsvorschläge mit Jugendlichen, Familien und Kindern. Die Konzeptideen in unserer Multiplikatorenarbeit reichen dabei von integrativen über präventive bis hin zu persönlichkeitsbildenden Ansätzen und nutzen sowohl sensitive als auch kreative und sportliche Handlungsfelder.
Durch diese Rolle übernimmt die Alpenvereinsjugend eine steigende Mitverantwortung in der Gestaltung der österreichischen Bildungslandschaft.
Um die zugrundeliegende Haltung und Handlungsmotive besser kommunizieren zu können, wollen wir Ihnen die Positionen und Leitbilder, die unserem Selbstverständnis zu Grunde liegen, transparent machen.
Positionspapiere / Leitbildentwicklung
Die Darstellung von Positionen sind immer Momentaufnahmen in einem Entwicklungsprozess. Unsere "Leitbilder" bleiben anregende Diskussionsgrundlage für unsere gemeinsame Arbeit. Wir wollen gerne zur Auseinadersetzung und zur Diskussion einladen und freuen uns über konstruktive Anregungen.
• Positionspapier Naturbeziehung
• Positionspapier Lehren lernen
• Positionspapier Integration von behinderten Jugendlichen
• Positionspapier Familienarbeit - Arbeit mit Kindern
• Positionspapier Partizipation
• Positionspapier Nachhaltigkeit
• Positionspapier Risiko und Wagnis
Diese Themen werden derzeit aktualisiert:
• Zeitgemäße Jugendarbeit
• Prävention / Gesundheitsförderung
Standortbestimmung "Erlebnispädagogik - erlebnisorientiertes Arbeiten"
Eine allgemein gültige Definition von "Erlebnispädagogik" und "Erlebnisorientiertem Arbeiten" gibt es nicht. Für die österreichische Alpenvereinsjugend, die auf breiter Basis sowohl mit Gruppen arbeitet, als auch beruflich qualifizierende Weiterbildung für MultiplikatorInnen anbietet, wurde es durch die Bildung des Kompetenzzentrums SPOT Obernberg mit den SPOT Seminaren zunehmend wichtig, eine Positionierung zu formulieren.
Als Grundlage unserer Definitionsarbeit verwenden wir das "Modell der Handlungsmotivationen". Durch diesen Erklärungsansatz über die Handlungsmotive entsteht ein recht übersichtliches Modell unterscheidbarer Ansätze, das hilft, verschiedene Bezeichnung differenzierter betrachten und damit auch anwenden zu können.
Modell der Handlungsmotivationen (© Jürgen Einwanger)

So gibt es nach diesem Modell acht zum Teil recht deutlich unterscheidbare Motivationslagen, um mit Gruppen aktiv zu werden. Alle diese Zugänge sind aufgrund des jeweils unterschiedlichen Auftrags an die LeiterInnen und der daran geknüpften, folglich ebenfalls unterschiedlichen Erwartung der TeilnehmerInnen einzuordnen. Sie haben Schnittmengen und Übergangsbereiche – wichtig ist dabei auch nicht, hundertprozentig treffsichere „Schubladen“ zu definieren, sondern in einem gleichwertigen Nebeneinander Differenzierungsmöglichkeiten anzubieten. Das erleichtert nicht nur die Kommunikation über die Dinge, sondern hilft in den einzelnen Disziplinen die dort nötigen Handlungsweisen zu reflektieren und die Qualität der Angebote den Bedürfnissen angepasst zu entwickeln.
Die Grafik erlaubt zusätzlich eine Differenzierung nach den übergeordneten handlungsleitenden Interessen. Der farbige Verlauf von links oben (PRIMÄRES INTERESSE IST DIE PERSÖNLICHKEITSBILDUNG) nach rechts unten (PRIMÄR KOMMERZIELLES INTERESSE) verdeutlicht diese, und markiert auch einen "Übergangsbereich" in dem es wohl um beides geht. Neben dieser primären Interessensbekundung gibt es natürlich auch in der Erlebnispädagogik den Wunsch nach kommerziellem Ausgleich - kaum jemand wir aber wegen aussergewöhnlich guter Verdienstmöglchkeiten in der Jugendwohlfahrt arbeiten?!?
Eine weitere Perspektive lässt sich sich in die Grafik des Modells legen: von links nach rechts nimmt der STELLENWERT UND DAMIT DIE INTESITÄT VON REFLEXION UND NACHBEARBEITUNG ab. Während in der Therapie ein sehr ausgeprägter Focus auf Auswertung und Transferpotentialen liegt, wird beispielsweise der Animateur eines Clubs in verwunderte Gesichter schauen, wenn er versucht die methaphorischen Zusammenhänge zum Alltagserleben herzustellen? Dies ist weder sein Handlungsmotiv, noch das seiner Gäste.
Erlebnispädagogik beschreibt für uns folglich die Handlungsmotivation (sozial-)pädagogisch zu arbeiten. Hier einige Eckpunkte:
• Rahmen und Aufgabe sind meist das soziale Lernen in Gruppen:
=> Lernziele beziehen sich auf individuelle Themen des Kompetenzgewinns der einzelnen TeilnehmerInnen. Die Bearbeitung der Themen liegt teilweise auch im starken Interesse der Gruppe.
• Die Zielgruppe erlebnispädagogischer Ansätze sind primär Jugendliche:
=> Entwicklungsförderung und die Etablierung neuer Verhaltensmuster beschreiben die Ziele
• Erlebnispädagogik braucht Zeit und Beziehung:
=> diese Grundlagen sind Voraussetzung für nachhaltiges Arbeiten und die Chance auf Transferleistungen in das Alltagshandeln
• die Maßnahmen werden soweit möglich der individullen Situation angepasst:
=> je nach Zielen und TeilnehmerInnen werden mögliche Hilfestellungen für die Persönlichkeitsentwicklung konzipiert.
• Ein explizit ausgesprochener Auftrag mit Zielformulierung ist Legitimationsgrundlage der Beg-leiterInnen
=> Berechtigung zur erlebnispädagogischen "Intervention"
• Primärer Handlungsraum sind Naturlandschaften:
=> Neben der sozialen Beziehung ist es auch die Naturbeziehung, der wir einen sehr hohen Stellenwert einräumen.
Erlebnisorientiertes Arbeiten beinhaltet für uns ein Bündel von Handlungsmotivationen. Hier einige Stichpunkte dazu:
Merkmale für "erlebnisorientiertes Arbeiten" sind:
• der Handlungsraum ist die Natur
• es wird primäre mit Gruppen gearbeitet
• "erlebnisorientiert" ist zielgruppenoffen (Kinder, Jugendliche, Familien, etc.)
• die Inhalte werden zielgruppengerecht geplant
• es gibt keine individuellen Zielvereinbarungen im pädagogisch/therapeutischen Sinne
• Ziel ist die individuelle Kompetenzförderung durch offene "Informationsangebote" (ökologische Kompetenz, Bewegungskompetenz, etc.)
• als Medium dienen Bewegung-Natursport und kreatives Gestalten mit und in Natur
Ziele von "erlebnisorientierter Arbeit" sind:
• den TeilnehmerInnen Freiräume gewähren
• es geht darum (neue) Handlungsfelder zu eröffnen
• entscheidend ist, dass Partizipation möglich wird (und diese ernst genommen wird)
• das Angebot soll die Eigenverantwortung der TeilnehmerInnen spürbar machen
• die Vermittlung neuer Kompetenzen durch Erfahrungslernen
• Veränderung von Sichtweisen/Perspektiven/etc. sollen ermöglicht werden
• eine Nachbetrachtung der Erlebnisse soll ermöglicht werden (Erlebnis intensivieren/Nacherlebnisraum)
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