SPOT Seminar "Erste Hilfe Outdoor - Basiskurs"
Vor nicht allzu langer Zeit habe ich auf diesen Seiten schon einmal von einem Erste-Hilfe-Kurs berichtet – wie Ihr seht, kümmern wir uns auch weiterhin gewissenhaft um unsere Weiterbildung auf diesem Gebiet – dieses Seminar war jedoch so ein-zigartig und unwerfend gut, dass er trotz der Gefahr kleiner inhaltlicher Wiederholun-gen hier Erwähnung finden soll.
Am Montag, 19.4.2004, sind wir (Frank, Rene, Stefan und ich) mit dem Auto in Rich-tung Tirol aufgebrochen. Stefan und ich wechselten uns am Steuer ab, damit nie-mand zu geschlaucht für die bevorstehenden anstrengenden Tage sein würde. Ein Schock ereilte uns bei der Ankunft im AV-Jugendhaus Obernberg: was auf der Hinfahrt noch harmloser Regen war, verwandelte sich plötzlich in dichten Schneefall und binnen weniger Stunden verhüllte eine dichte Schneedecke die Umgebung. Erste Zweifel kamen auf, ob die geplanten Outdoor-Übungen bei diesen Verhältnissen wirklich Spaß machen würden...
Nachdem wir unsere Zimmer bezogen hatten, ging’s mit ziemlichem Tempo los: zu-nächst lernten wir Pit, unseren Ausbildner kennen (der ist zwar nicht ganz so schön wie Brad Pitt, hat aber dafür einen umwerfendem Naturburschen-Charme). Nach ei-ner kurzen Vorstellungsrunde, bei der wir feststellen konnten, dass unsere Kollegen aus Tirol, Südtirol, Oberösterreich etc. alle ganz liebe Leute waren, starteten wir auch schon in unsere erste Theoriestunde. Obwohl wir den Inhalt eine Erste Hilfe Kurses alle schon kannten, verstand es Pit, ständig den Outdoor-Bezug herzustellen, sodass unser Gehirn immer gefordert blieb und mit neuen Informationen gefüttert wurde. Trotz eisiger Kälte und Schneefalls absolvierten wir vor dem Abendessen noch unse-re erste Outdoor-Übung: Pit richtete die Opfer mit Plastilin-Wunden und Theaterblut so realistisch her, dass mancher Helfer im ersten Moment vielleicht wirklich ein wenig schockiert war. Ich muss aber sagen: als eines der Opfer fühlte ich mich schon nach diesem ersten Nachmittag wirklich sehr gut betreut.
In den nächsten Tagen wechselten sich Theorie (drinnen) und Praxis (draußen, bei immer besser werdenem Wetter) ständig ab und Pit verstand es unglaublich gut, uns trotz des immens dichten Programms immer in Schwung und auf Trab zu halten. Drohten wir beim Theorieteil aus Müdigkeit vom Stuhl zu fallen, scheuchte er uns immer genau im rechten Moment ins Freie zu einer Übung, damit wir wieder aufwa-chen würden. Die Übungen waren für uns wohl das Wertvollste am ganzen Kurs: sie wurden beständig schwieriger (immer schlimmere Verletzungen, Hinzukommen von einer „Gruppe“, die man neben dem Verletzten auch noch betreuen musste, immer unzugänglicheres Gelände, aus dem die Verletzen geborgen werden mussten, ...) und so konnten wir uns schrittweise an größere Herausforderungen herantasten. Durch diese Rollenspiele (es gab immer Verletzte, Helfer und am Schluss auch noch „Gruppenmitglieder“) bekamen wir alle die Gelgenheit, Verbände anzulegen, Wun-den zu versorgen, Verletze aus unwegsamem Gelände zu bergen (was sich mitunter vor allem für uns Frauen als gar nicht so leicht herausstellte – schlepp einmal einen 80-Kilo-Brocken!), mit dem komplexen Zusammenspiel Verletzter – Gruppe – Retter zurecht zu kommen und Notrufe abzugeben. Dank ausreichend zur Verfügung ge-stellter Hilfsmittel konnten die Unfallsituationen wirklich sehr realistisch nachempfun-den werden, sodass wir nun für den Ernstfall sicher ein sehr gutes Rüstzeug mitbe-kommen haben: Das wichtigste im Notfall ist, dass man keine Angst hat, zu helfen. Diese Angst wur-de uns durch die unzähligen praktischen Übungen sicher genommen: man muss als Ersthelfer nicht alles perfekt machen! Hilft man aber gar nicht, kann es passieren, dass ein Unfallopfer stirbt, dem durch ganz simple Maßnahmen hätte geholfen wer-den können.
Begleitend zu den Übungen waren auch die darauf folgenden Reflexionen sehr wich-tig, in denen sowohl Opfer als auch Helfer die erlebte Situation aus ihrer Sicht schil-derten und erklärten, was für sie jeweils hilfreich war, was schwierig war, wie man es hätte besser machen können, ect. Durch die ständigen Gespräche konnten wir für uns selber herausfinden (und zwar sicher besser als in jedem Frontalunterricht), wie man einem Unfallopfer am besten und leichtesten helfen kann. Sehr wertvoll waren auch Pit’s ergänzende Erläuterungen zum Thema Krisenmanagement.
Neben all den anstrengenden Übungen kam natürlich auch die Geselligkeit nicht zu kurz: Bei abendlichen Spaziergängen in der Umgebung oder bei einem Gläschen Rotwein nach dem Abendessen konnten wir einander besser kennenlernen und Er-fahrungen austauschen.
Seinen Höhepunkt fand unser Kurs in einer großen Nachtübung: Folgende Übungs-annahme war gegeben: eine Gruppe Jugendlicher will die Nacht im Freien verbrin-gen, als zum Abendessen gerufen wird, fehlen zwei Gruppenmitglieder. Frank und ich hatten die Betreueraufgabe übernommen und waren zuerst einmal vor die Her-ausforderung gestellt, eine „hungrige“ Meute zum Suchen nach den Vermissten zu bewegen und vor allem, herauszufinden, wie man am besten im stockdunklen Wald nach jemandem sucht. Als das schließlich geschafft war, hatten wir Schwerstverletz-te zu versorgen und auch mit den Ängsten unserer „Jugendlicher“ umzugehen. Ver-bunden mit der Dunkelheit war das schon eine ziemliche Herausforderung, aus der wir jedoch sehr viel lernen konnten (nicht zuletzt auch über unsere eigenen Ängste vor solchen Gefahrensituationen).
Zum Schluss möchte ich allen, die in der Natur mit (oder ohne) Gruppe unterwegs sind, das SPOT Seminar Erste-Hilfe-Outdoor ans Herz legen: es ist unglaublich, wie viel man davon profitiert und was man durch die praktischen Übungen lernen kann!
Agnes Weiß
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